Rückschau, Erlebnisberichte
DIE GROßE FRAGE – musikalische Miniaturen von Wolfgang Schumann,
Uraufführung im Gemeindezentrum Kapelle Fichtenau
Text und Bild: Volker Michael

Wer kennt ihn nicht, den großen Maulwurf, der seit Jahren auf Baustellen bei der Berliner S-Bahn mit markigen und tröstlichen Sprüchen aufmerksam macht. Sein Zeichner und Erfinder heißt Wolf Erlbruch. Er hat noch andere wunderbare Figuren geschaffen. Eine große Frage ließ ihn ein ganzes Buch zeichnen und schreiben, nämlich die Kinderfrage: Wozu bin ich auf der Welt?
Da treten 23 verschiedene Gestalten vom „Bruder“ über „Stein“, „Soldat“ und „Tod“ bis zur „Mutter“ auf und geben ihre sehr merk- und denkwürdigen Antworten. Der Schöneicher Komponist Wolfgang Schumann hat daraus Musik gemacht, nämlich ebenso viele Miniaturen für Blockflöte und Klavier. Am vergangenen 11. Juni fand im Gemeindezentrum Kapelle Fichtenau in Schöneiche die Uraufführung dieser äußerst reizvollen Stücke statt. Es spielten die „Flötenkinder“ von Pfarrerin Annemarie Schumann, am Klavier begleitete der Komponist.

Wochen- und monatelang hatten die Kinder und Jugendlichen geübt, mit unterschiedlichem Eifer, wie es bei solchen freiwilligen Projekten außerhalb der Schule so üblich ist. Die Eifrigen steckten die anderen Kinder an, und so kam es zu einem lebendigen und spannenden Konzert vor „ausverkauftem“ Hause.

Die „Große Frage“ ist wieder ein echter Schumann, also formvollendete, eingängige, leicht spielbare und dennoch anspruchsvolle Musik. Die Flötenkinder konnten sich gut in die verschiedenen Figuren und ihre sehr speziellen Antworten hineinversetzen. Natürlich wollte keiner die Nummer 12 spielen, den TOD. Dabei beantwortet er die GROßE FRAGE am positivsten von allen 23: DU bist auf der Welt, um das Leben zu lieben. Viel beliebter bei den Kindern waren die Tiere: die Katze, der Hund, das Kaninchen, die Ente, der Vogel – diese Tiere hat Schumann besonders bildkräftig gestaltet, ohne irgendwie (was man vermuten könnte) Peter und der Wolf nachzuahmen. Das Karnickel tanzt eine tapsige Polka, die Ente watschelt ein etwas trauriges Menuett, der Vogel zwitschert ein „à la Siciliana“, die Katze stolziert wie in einem eitlen Marsch, der Hund schließlich bellt ein packendes Allegro. Auch die anderen Figuren entfalten ihr liebenswürdiges musikalisches Eigenleben. Und so entsteht ein vielfältiges Kaleidoskop kleiner und kleinster Charaktere. Der Miniaturen-Zyklus „Die Große Frage“ verdiente es, noch mehrfach in Schöneiche aufgeführt zu werden.