"Liebe, Hoffnung, Glaube – und wo bleibt da der Spaß?
Auszüge aus dem
Festgottesdienst am 21. Mai in Schöneiche, Pfarrerin Kerstin Lütke

Eigentlich habe ich mit Spaß immer Lachen verbunden, oder Begeisterung, Unbeschwertsein Heute ist da dieser andere Klang.
Es gibt so viel Spaß, der an der Oberfläche bleibt. Mit dem man sich unterhält, ablenkt, zerstreut. Für viele wichtige Dinge verkümmern die Sinne, und Nachdenken ist anstrengender. Ich will Spaß haben, Spaßgesellschaft, Badespaß, nur so zum Spaß ..., spaßbetonte Spaßkultur, und wer kein Geld mehr hat, für den ist der Spaß schnell zu Ende.
[Rückfrage:] "Ja, was willst du denn?"
Echtheit, Jubel, Tiefe, Freude, Stil, Klugheit, Hingabe, was viele wollen und wonach sie sich sehnen. Platz in mir für die Erfahrung von Traurigkeit, Leid, Mitleid und Schmerz.
Und etwas mehr von so etwas Altmodischem wie Liebe, Hoffnung und Glauben. 

Im Namen Gottes,
der Quelle des Lebens.
Im Namen Gottes,
der uns in Jesus Christus gezeigt hat,
wie weit man aus Liebe gehen kann.

Im Namen Gottes,
dessen Heiliger Geist uns überwinden lässt, was uns von anderen trennt,
und uns über uns selbst hinauswachsen lässt in Gottes neue Welt.

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.
... Zu ihm betete auch ich. Ich breitete vor ihm die Erfahrungen meines Lebens aus und legte sie in das Licht seines Wortes.
Da begannen die Dinge sich zu ordnen,
neue Maßstäbe fand ich, zwischen Großem und Kleinem zu unterscheiden, zwischen wichtig und weniger wichtig, zwischen wertvoll und oberflächlich.
Meine Entscheidungen diktiert nicht die Angst, zu kurz zu kommen,
auch in Mühe und Leid bleibt das Leben voll Hoffnung.
Darum will ich dem danken,
der zur Quelle und zum Herrn meines Lebens wurde,
der Vater und Mutter aller ist, die seine Liebe ins Dasein rief.
Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.

Du unser Gott,
erfülle uns mit dem Geist des Lebens,
wecke in uns die Kraft der Liebe,
führe uns in die Gewissheit des Glaubens
und lass uns aufrecht gehen,
wie Menschen, die eine Hoffnung haben.
Gott, Gnade und Erbarmen,
wir bitten dich um die Auferstehung der Welt,
mache unseren erstorbenen Glauben wieder lebendig,
lass unsere begrabenen Hoffnungen aufkeimen,
lass uns Partei ergreifen für das Leben alles Lebendigen.


Lesung aus der Bibel, Kapitel 13 des 1. Korintherbriefes:
Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen reden könnte,
hätte aber keine Liebe,
so wäre ich nur ein tönender Gong oder eine klingende Schelle.
Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüßte alle Geheimnisse und hätte alle Erkenntnis und hätte solchen Glauben, dass ich Berge versetzen könnte,
und hätte keine Liebe,
so wäre ich ein Nichts.
Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und gäbe sogar mein Leben hin,
aber hätte keine Liebe,
so wäre alles umsonst.
Wer liebt, ist geduldig und gütig.
Wer liebt, ereifert sich nicht,
er prahlt nicht und spielt sich nicht auf.
Wer liebt, der verhält sich nicht taktlos,
er sucht nicht den eigenen Vorteil und läßt sich nicht zum Zorn erregen.
Wer liebt, der trägt keinem etwas nach;
es freut ihn nicht, wenn einereinen Fehler macht,
sondern wenn er das Rechte tut.
Wer liebt, der gibt niemals jemanden auf,
in allem vertraut er unsd hofft er für ihn;
alles erträgt er mit großer Geduld.
Niemals wird die Liebe vergehen.
Auch wenn einmal alles aufhört, bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei.
Aber die Liebe ist das Größte unter ihnen!


"Glaube, Liebe, Hoffnung – und wo bleibt da der Spaß?
 "Eigentlich habe ich mir immer eine Spaßgesellschaft gewünscht."
sagt Harald Schmidt.
"Dass es dann so spaßig werden würde,
erschreckt mich jetzt doch etwas."

Es geht bei der Kritik an der Spaßgesellschaft nicht um eine Geschmacksfrage von Humorlosen. Es geht grundsätzlich um die Frage nach dem Wirklichkeitsverständnis und dem Wertgefüge unserer Gesellschaft. Ernsthaftigkeit – und das heißt nicht Freudlosigkeit – sollte wieder mehr Gewicht bekommen gegenüber der Belanglosigkeit ...

Misserfolge und Verluste gehören zum Leben. Sie sind aber heute Spaßverderber. Und Menschen, die sich mit Verlierern identifizieren, haben es schwer. Auch Leid, Behinderung und Schwäche haben in einer Scheinwelt keinen Platz.

Aber was ist mit einer Gesellschaft ohne Glaube, ohne Hoffnung und ohne Liebe? 

Ohne einen Glauben, den man mit anderen teilt, fehlt ein Fundament der Gemeinschaft, ein einigendes Band, das Menschen, trotz aller Verschiedenheit, zusammenhält. ....

Hoffnung gehört zum Leben wie das Atmen. ... Wenn es nichts zu glauben und zu hoffen gibt, lohnt sich auch keine Anstrengung. Es gibt kein Ziel.
Lebendige Hoffnung aber gestaltet die Gegenwart. ...

Liebe hat mit Vertrauen, ja mit Urvertrauen zu tun. ...

Ohne Grundvertrauen gibt es kein Selbstvertrauen. Menschen ohne Grundvertrauen und Selbstvertrauen aber sind gar nicht leistungsfähig. Wahrscheinlich sind sie auch nicht leistungsbereit oder risikofreudig, und nicht leidensfähig. Glauben, Lieben und Hoffen hat nicht nur individuelle, sondern durchaus gesellschaftliche Konsequenzen.
                                                                                           (nach: Peter Hahne, "Schluß mit lustig")

Gott, gib uns  deinen Geist,
der nicht benebelt, sondern zur Klarheit verhilft.
Gott, gib uns  deinen Geist,
der nicht süchtig macht, sondern heilt.
Gott, gib uns  deinen Geist,
der nicht beruhigt, sondern mutig macht.
Gott, gib uns  deinen Geist,
der uns nicht belustigt, sondern uns tiefe Freude schenkt.
Gott, gib uns  deinen Geist,
der uns nicht nur konsumieren, sondern schöpferisch tätig sein lässt.
Gott, gib uns  deinen Geist,
der uns Möglichkeiten zu leben zeigt, wo wir aufgeben wollen.
Gib uns  deinen Geist,
der Hochmut entlarvt und Sünde beim Namen nennt.
Gib uns  deinen Geist,
der  unterscheiden lehrt und Dummheit nicht als Freiheit verkauft.
Gib uns  deinen Geist,
der die Gier nach Profit austreibt und Fairness als Gewinn sieht.
Gib uns  deinen Geist,
der die Angst begrenzt und Gelähmte in Bewegung bringt.
Gib uns  deinen Geist,
der Mut macht, zu verzichten, damit alle leben können.
Gib uns  deinen Geist,
der die Augen öffnet und staunen lässt über die Schöneheit der Schöpfung.
Gib uns  deinen Geist,
der Respekt und Scham von dem Vorurteil "Feigheit!" befreit
und uns feinfühlig werden lässt für eigene und fremde Würde.
Gott, gib auch mir deinen Geist,
wo ich sprachlos geworden bin und stumm,
wo die Sehnsucht mich umtreibt und ich nicht weiß,
wer du bist
und wer ich zu werde
n bin.